Schlußbetrachtung

Die Tage reihten sich wie Perlen an einer Kette und nur von Ferne scheinen sie einander zu gleichen, bei näherer Betrachtung entwickelt jeder seinen eigenen Glanz und sein eigenes Farbenspiel und diese scheinen noch weit darüber hinaus in unseren Alltag. Die Frage nach dem schönsten Erlebnis ist unbeantwortbar, denn der Reiz der Reise ergibt sich doch erst aus seiner Vielfalt, den unterschiedlichen Kulturen, mit Tempeln, Museen, Theater, Galerien, Parks und architektonischen Kleinodien und verschiedenartigsten Naturlandschaften von der Tiefebene an der Ostsee über das Mittelgebirge Ural bis ins Hochgebirge der Anden, von der endlosen Taiga über die mongolische Steppe, die Halbwüsten Australiens, die Pampa und der Salzwüste der Atacama bis zu den Regenwäldern von Singapur, Neuseeland, Tahiti und Brasilien. Hervorzuheben ist jedoch die Gastfreundschaft und Offenheit mit der uns die Einheimischen überall begegneten und auf ihre Hilfe, auf die wir öfter angewiesen waren, konnten wir stets bauen.

So bleibt nur die Kategorien einzeln zu bewerten. Über die schönste historische Altstadt verfügen Riga und Susdal. Die ideenreichste moderne Architektur haben die asiatischen Städte Seoul, Taipeh und Singapur zu bieten, denen gegenüber sich die europäischen, australischen und nordamerikanischen Metropolen in ihrem Bauklotzstil einfallslos präsentieren. Das beste Angebot, abends etwas Essen zu gehen, bot Seoul dicht gefolgt von den Nachtmärkten überall auf Taiwan und der Dontonbori in Osaka. Das beste Museum mit den erlesensten Ausstellungsstücken war das Palastmuseum in Taipeh vor dem präkolumbianischen Museum in Santiago de Chile, dem neuseeländischen Nationalmuseum in Wellington und dem Ethnopark in Talzy, sowie architektonisch interessant war das Oscar Niemeyer Museum in Curitiba. Die beeindruckendste Galerie war die Trejakow-Galerie in Moskau. Die schönsten Tempel gab es in Taipeh allen voran der buddhistische Longshan-Tempel gefolgt von dem daoistischen und konfuzianischen Tempeln und der exotischte war der shintoistische Sumiyoshitaischa-Schrein. Die begeisterndsten Aufführungen waren die Taiwanoper in Taipeh, gefolgt von dem Farereira’a i Tahiti auf dem Markt von Papeete und der Barong-Aufführung auf Bali. Die sehenswerte Paläste waren der Sultanspalast in Yogyakarta, der Kreml in Kolomenskoje bei Moskau, der Changdeokgung (Palast der blühenden Tugend) in Seoul und der Shogunpalast in Kyoto. Die eindrucksvollste Technik sahen wir in der europäischen Südsternwarte auf dem Cerro Paranal. Der mystischte Ort der Reise, war zweifellos die Osterinsel mit ihren Petroglyphen, mit der Rongorongo-Schrift und den rätselhaften Moais, um deren kulturellen Untergang sich eine Reihe haltloser Spekulationen rankt. Das bedrückendste Erlebnis war der Besuch des Lagers Perm-36 in Schustowoi, aber auch die Ljubjanka-Gedenkstätte und der Tod Boris Nemzows auf der Moskwa-Brücke, sowie die Ermordung Tausender Mongolen in den 30-iger Jahren hinterließen ein beklemmendes Gefühl – diese Schatten der Vergangenheit dürfen niemals wiederkehren.

Die schönsten Parks waren in Singapur zu bewundern, allen voran der botanische Garten und hier insbesondere die Krönung, der unübertreffliche Orchideengarten, gefolgt vom chinesischen und japanischen Garten, aber auch der aride botanische Garten in Port Augusta und der botanische Garten Taipeh sind sehenswert und alle sind kostenfrei, nur für den Orchideengarten wird ein geringfügiger Obulus erhoben. Die kleinsten, die Glühwürmchen von Waitomo Cave, und die größten Tiere, die Wale vor der Küste von Peninsula Valdes beeindruckten uns am meisten, aber auch die Tiere in karger lebensfeindlicher Umwelt, die Alpacas in den Hochanden, die Flamingos an den Salzseen bei San Pedro de Atacama, sowie die Yaks, Ziegen, Schafe, Kamele und Kühe, welche dem eisigen Winter im Freien in der mongolischen Steppe trotzten und sich von verdorrtem Gras ernährten, nötigten uns Respekt ab. Nass und neblich wie unter einem geheimnisvollen Schleier zeigte sich der brasilianische Regenwald und der neuseeländische verblüffte mit seinen Baumriesen den Kauribäumen. Den gegenteiligen Zauber entfaltete die Atacama-Wüste, mit den trockensten Orten der Welt und im dortigen Valle de Luna bei San Pedro de Atacama begegneten uns in einer Mondlandschaft die bizarrsten Felsformationen. Den schönsten Canyon fanden wir in der über tausend Meter tiefen Taroko-Schlucht bei Hualien (Taiwan) bestehend aus Granit und Marmor. Die imposantesten Wasserfälle waren die von Iguacu an der argentinisch brasilianischen Grenze. Die idyllischte Berglandschaft erlebten wir am See Hurapi in San Carlos de Bariloche. Eine grandiose Berglandlandschaft fanden wir auch in El Tatio mit den unvergleichlichen Geysiren auf 4300 m Höhe. Geysire und Schlammvulkane gab es ebenfalls in Rotorua auf Neuseeland und zudem füllten erstere hier auch noch wohlige Badebecken. Die schönsten Badestrände waren Guaruja in Brasilien, Anakena auf der Osterinsel und Kenting auf Taiwan, während in Indonesien die Sauberkeit zu wünschen übrig ließ und entweder man mit der Brandung kämpfen musste oder an anderer Stelle bei Ebbe hinter dem Riff der Wasserspiegel stark sank. Die Brandung, gefährliche Strömungen und der kühle Südwinter hielten uns in Australien und Neuseeland vom Baden ab. Ebenfalls zu kalt zum Baden war es uns in Argentinien und am Humboldtstrom in Chile, wobei bei letzterem es auch etwas dreckig war. Auf Tahiti fanden wir nur bei Punaauia schönen Sandstrand, ansonsten waren auf dieser Vulkaninsel die Strände steinig.

Im allgemeinen kamen wir ganz gut mit unseren bescheidenen Sprachkenntnissen zurecht, nur Japan war es nicht ganz einfach, zumal im Gegensatz zu Korea und Taiwan hier mancherorts die Transkription in lateinische Buchstaben fehlt, und im Hotel in Curitiba verstand man nur portugiesisch. Weil hier die Mischung aus großer Kultur und grandioser Natur uns überzeugte, liegen Taiwan und Chile in unserer Gunst vorn, wobei letzteres manchmal leider etwas verfallen und schmuddelig war.

Sicher war dieses noch nicht unsere letzte Reise, denn bis zum letzten Farewell gilt uns der Wahlspruch aus Richard Arnold Bermanns „Urwaldschiff“ : „Navigare necesse est, vivere non necesse“.

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143. Tag

Unser Schiff war in der Nacht eingelaufen und lag am Burchardkai im Containerhafen Hamburg-Waltershof, als wir erwachten.

Nach dem Frühstück versuchte Eva den Holidayshuttle zu erreichen, hatte aber Probleme mit dem Netz und als es endlich klappte, erfuhren wir, dass wir gegen 12 Uhr abgeholt werden können. Wir nahmen Abschied von Bord und Eva mochte am liebsten sofort los. Aber dafür war es noch zu früh und wir schauten noch nach Nachrichten im Internet, während es draußen kräftig regnete.

Um 11 Uhr ließen wir uns dann den Hafenshuttle bestellen, der sofort kam, so dass wir viel zu früh vor dem Hafentor ankamen. Eine Kontrolle gab es dabei nicht, nicht mal eine Ausweiskontrolle. Wir hätten reinschmuggeln können, was wir wollten und soviel wir tragen konnten.

Zum Glück schien vor dem Tor die Sonne und die dunklen Wolken hielten sich zurück bis unser Holidayshuttle kam. Zwischendurch brachte der Hafenshuttle einige Matrosen, die sich zu Fuß auf den Weg in die Stadt machten. Ich machte noch ein paar Abschiedsfotos und davon zwei von der nahen Fußgängerbrücke.

Der Mercedes brachte uns trotz einiger heftiger Regengüsse auf der Autobahn sicher nach Hause, wo unsere Tochter Almut und eine Menge Arbeit in Haus und Garten uns erwarteten.

142. Tag

Gegen halb 3 Uhr morgens haben wir abgelegt und sind dann Richtung Nordsee gefahren.

Den Vormittag über hielt das wechselhafte Wetter an. Ich habe dann versucht ein paar Informationen aus dem Internet, insbesondere zum Flughafentransfer, zu bekommen, aber die Verbindung war sehr schlecht. An unsere Mails sind wir überhaupt nicht gelangt, nur die Nachrichten der Tagesschau ließen sich mit sehr viel Geduld öffnen.

Nachmittags war es uns wenigstens gelungen mit viel Mühe an die Telefonnummer für den Holidayshuttle zu gelangen, den Eva dann am späten Abend angerufen hat, ohne eine verbindliche Information zu erhalten.

Wir haben dann langsam unsere Sachen zusammengepackt und haben die letzten Stunden an Deck genossen. Haben beobachtet wie langsam Helgoland und die deutsche Bucht in Sicht kamen und sahen die Lichter auf den Schiffen, welche auf Reede lagen, angehen. Später kam der Lotse an Bord und das Boot fuhr dann weiter zum anderen Schiff.

141. Tag

Morgens um halb 5 Uhr haben wir vom Kai des Containerhafens Rotterdam bei Dunkelheit abgelegt. Mit den verschiedenen Lichtern sah er sogar ganz interessant aus, obwohl sich die Containerhäfen dieser Welt nur wenig unterscheiden – hat man einen gesehen, kennt man alle.

Am Vormittag haben wir auf der Nordsee das reine Aprilwetter – mal schauert es und mal kämpft sich die Sonne durch die Wolken. Der Schiffsverkehr hat noch etwas zugenommen und wir sind durch einen großen Windpark mitten auf See gefahren. An Steuerbord konnte ich 90 und an Backbord 40 Windräder ausmachen, aber gut möglich, dass noch weitere im Dunst verborgen lagen.

Nachmittags gegen halb 4 Uhr legte unser Schiff, nach dem es Stück das Themse-Delta hinauf gefahren war am neuen Containerhafen London an. Er ist wesentlich kleiner als Rotterdam und wir waren auch, soweit wir sahen das einzige Schiff. Das Wetter war durchwachsen, Wolken und mal Sonne und mal Regen.

Gegen 4 Uhr haben wir uns von dem Hafenservice mit einem Kleinbus vom Schiff zum Hafentor mitnehmen lassen. Dort hat uns dann der Hafenpastor von der Seemannsmission abgeholt und nach Tilbury Essex gebracht, das liegt einige Kilometer stromauf, also etwas näher an London. Es ist ein kleiner verschlafener Ort mit dem alten Containerhafen und einem Kreuzfahrtterminal.

Er brachte uns zur Seefahrermission, wo wir etwas Geld tauschen konnten und fuhr uns danach noch ins Stadtzentrum. Hier haben wir einen Rundgang durch den Ort mit den kleinen Häusern und den zumeist gepflegten Vorgärtchen gemacht, bevor wir zur Seefahrermission zurück gewandert sind. Es war schön sich mal wieder die Beine an Land vertreten zu können und das Wetter hat bis auf ein paar Tropfen auch mitgespielt.

In der Mission haben wir noch etwas gespendet, bevor wir uns haben zurückfahren lassen, denn der Transportservice ist kostenfrei. Auf der Rückfahrt hat es dann richtig geschüttet, aber wir saßen ja warm und trocken im Auto. Der Hafenservice hat uns wieder zurückgebracht und als wir gegen 7 Uhr wieder an Bord waren, hatte man uns sogar das Abendbrot aufgehoben, welches ansonsten zwischen halb 6 und halb 7 Uhr serviert wird.

140. Tag

Kurz nach 5 Uhr morgens liefen wir bei Dunkelheit in den Rotterdamer Hafen ein.

Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich aufbrechen, aber es war das reinste Regenwetter. Ein weiteres Problem war, dass man im Hafenbereich nicht herumlaufen darf, d.h. Man müsste sich ein Taxi aus Rotterdam kommen lassen. Rotterdam ist gut 50 km entfernt und das Taxi würde 160 EUR kosten und zurück müsste man ja außerdem.

Am Mittagstisch haben wir durch einen Rostocker Schiffsoffizier Verstärkung bekommen, der bis Le Havre an Bord bleiben wird. In der Offiziersmesse stehen zwei große runde Tische An einem sitzen der Kapitän, der 1. Offizier, der 1. und der 2. Ingenieur und der Bordelektriker (4 Polen + 1 Ukrainer) und am anderen jetzt wir 4 Deutschen. Alle übrigen essen in der Mannschaftsmesse.

Nach dem Mittagessen regnete es dann wieder und wir sahen, dass es wenig Sinn macht auf Besichtigungstour zu gehen. Auch mit dem Internet funktionierte es wieder nicht richtig, außer der Tagesschau ließen sich keine anderen Fenster öffnen, weil die Verbindung unsicher sein soll. Gut, dass ich am Vortag noch einige Mails schrieb.

Am späten Nachmittag wurde das Wetter besser, so dass man bei Sonnenschein an Deck konnte, jedoch um an Land zu gehen, war es zu spät

139. Tag

Die Möwen waren verschwunden, aber das trübe regnerische Wetter war geblieben und die Küsten des Ärmelkanals konnte man bestenfalls im Dunst erahnen, wenn man nasse Füße an Deck nicht scheute.

Nach dem Lesen der Nachrichten funktionierte Google wieder und ich konnte zum ersten Mal Mails von Bord versenden, wenn auch ohne Anhänge und wenn es sehr langsam ging. So verbrachten wir damit den Vormittag, den eventuell möglichen Landausflug in Rotterdam zu planen und suchten nach Informationen im Internet und hofften vor allem auf besseres Wetter.

Nachmittags überspiele ich noch ein paar Fotos und beginne die letzten Tage in meinem Bericht nachzutragen.

Später kam noch mal die Sonne durch, so dass man den frühen Abend auf Deck verbringen konnte. Man sah die französische Küste im Ärmelkanal stellenweise recht gut, jedoch die englische war in Dunst und Nebel gehüllt.

138. Tag

Draußen regnete es fast ununterbrochen und nur die Möwen, welche unser Schiff den Tag über begleiteten, fühlten sich offensichtlich wohl. Auf dem Deck stand das Regenwasser.

Nach dem Lesen der Nachrichten der Tagesschau konnte ich in die Mails schauen und feststellen, dass keine neuen hinzugekommen waren, aber das Versenden funktionierte immer noch nicht. So versuchte ich, mit den Fotos weiter zu kommen.